Tag 16:
Es sind die Verbindungen
mit Menschen

„Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ 

– Wilhelm von Humboldt

Das ist der Spruch, den ich dieses Jahr für meine Weihnachtskarten nutze, denn es ist genau das, was zählt. Ich komme gerade aus einem traumhaften Wochenende und spüre die Bedeutung dieses Zitats in jeder Faser meines Körpers. Es ist nicht so, dass ich einen Wochenendtrip nach Paris oder New York hinter mir habe und euch von einem aufregenden Abenteuer erzählen kann. Nein. Ich war „nur” zu Hause in meinem geliebten Hamburg und habe die Zeit mit wundervollen Menschen verbracht. Es war großartig, bedeutend, kurzweilig und sehr erfüllend. Die Verbindungen mit Menschen, die ich dieses Wochenende genossen habe, hallen immer noch in mir nach.

Und genau das ist es, wonach ich mich gesehnt habe – Bedeutung. Ich bin so glücklich, dass ich bereits nach den ersten zwei Wochen eine Veränderung in mir spüre. Ich bin nicht mehr dabei Menschen bei Dates zu konsumieren und auf ihre Tauglichkeit als potentieller Beischläfer oder Lebenspartner zu beurteilen. Ich bin einfach ich. Kein Kennenlernstress, kein taktieren, einfach nur mein Leben mit den Menschen genießen, die mir etwas bedeuten und neue tolle Personen kennenzulernen, die mein Leben bereichern.

Ich bin am Dateoxen

Den Begriff des Dateoxen, habe ich gestern von einer lieben Leserin gelernt. Ich finde ihn super. Detox soll helfen Körper und Geist zu reinigen, wenn man zu viele schädigende Einflüsse aufgenommen hat. Detox Diät oder Digital Detox – der Begriff ist gerade in aller Munde. Trend hin oder her. Es geht wie bei allem um die Balance im Leben. Denn sind wir ehrlich: Dass Fasten eine positive Auswirkung auf die Gesundheit haben kann, ist nicht erst seit gestern bekannt.

Ich hatte euch bereits davon erzählt, dass ich Vipassana-Meditation praktiziere. Um die Technik zu lernen und zu vertiefen, habe ich zwei 10-Tages-Kurse absolviert. Einmal in Indien, das andere Mal in Litauen. Die Kurse werden weltweit angeboten und sind kostenlos. Das Telefon wird am Eingang abgegeben, man ist für sich, ohne Kommunikation zu anderen oder nach außen, es gibt zwei bis zweieinhalb Mahlzeiten am Tag und absolut keine Ablenkungsquellen, denn auch Bücher oder Schreibblöcke sind nicht erlaubt. Keine Chance der Selbstreflexion und der Arbeit mit sich selbst zu entfliehen. Es ist unglaublich intensiv und gleichermaßen befreiend. Ich kann es jedem empfehlen, der ein Stück mehr zu sich selbst finden möchte. Es sind zehn Tage Detox von jeglichem Luxus, überschwänglichem Komfort und unnützer Informationsvermittlung. Was es bei mir bewirkte war, dass ich unendlich dankbar für alles war, das ich dennoch hatte. Ich war dankbar für das wenige Essen, das mir jeden Tag gereicht wurde, dankbar für kaltes Wasser zum Duschen und um meine Haare zu waschen und vor allem dankbar dafür, mir selbst näher zu kommen, indem ich mal keine Nettigkeitsgespräche und Smalltalk in den Pausen mit den anderen führen musste oder das Telefon herausholen konnte, um zu schauen was in der Welt passiert. Ich musste mich damit beschäftigen was in mir vorging. In diesem speziellen Setting hatte ich endlich genügend Zeit und Raum dafür.

Eine sehr ähnliche Erfahrung mache ich gerade mit meinem ONE YEAR NO GUY-Experiment und dem Dateoxen. Wie oft habe ich gedated, um das Gefühl zu haben, dass ich wenigstens versuche einen passenden Partner zu finden? Wie oft hatte ich Dates, um rauszukommen und neue Menschen kennenzulernen? Gerade als ich neu nach Hamburg zog, nutze ich Tinder eher für lockere Verabredungen, um das Wochenende zu füllen, als dass ich in den Jungs wirklich potenzielle Liebeskandidaten gesehen hätte. Anschließend mit nach Hause genommen habe ich von den Männer tatsächlich keinen. Ich habe aktuell durch meine Männer- und Datingpause das Gefühl, dass ich viel mehr Zeit für Menschen habe, die mir bereits im Hier und Jetzt wirklich etwas bedeuten als einen zu suchen, der das vielleicht in der Zukunft tut. Keine Verabredungen, um verabredet zu sein. Stattdessen wunderschöne Momente mit inspirierenden Personen. Ich muss sie nicht suchen. Sie sind schon da.

Ob ich das Daten vermisse? Nein. Nicht im Geringsten. Ich vermisse gerade nichts. Mir geht es mit mir gut. Es ist gerade alles endlich einmal stressfrei und mein Herz bekommt die Zeit zu heilen, nach der es sich so sehr sehnt. Mir fehlt noch nicht einmal die körperliche Nähe zu einer Person, denn ich habe genug emotionale Nähe durch meine Freunde. Ruhe und Zufriedenheit statt sehnsüchtiger Suche. Ein schönes Gefühl.

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