Tag 50:
Herzensmenschen

Kennt ihr das Gefühl wenn man Zeit mit einem Menschen verbringt und stundenlang mit ihm reden, lachen, schweigen, schmunzeln und einfach rund herum eine gute Zeit haben kann, weil diese Verbindung von Herz zu Herz besteht? Es ist dieses gleiche Verständnis der guten Dinge anstatt ständiger Kompromisse. Ein ähnlicher Tagesablauf, ähnliche Interesse. Ein völlig entspanntes Miteinander.

Alles, was man sagt, kann direkt aus dem Herzen entspringen ohne den Umweg über den Kopf gehen zu müssen und man kann mit dem anderen ganz authentisch über seine Herzensthemen sprechen. Und das auf eine Weise, dass der Gegenüber 100%ig nachvollziehen kann was man meint. Dieses Gefühl ist berauschend, die Zeit verfliegt und man fühlt sich danach erfüllt, glücklich und mit der Welt verbunden. Dieses Wochenende hatte ich das große Glück Zeit mit solch einem Herzensmenschen zu verbringen und mich wieder daran zu erinnern wie es ist, wenn es einfach passt. Dafür bin ich wirklich dankbar.

Es ist diese besondere Verbindung, die einfach da ist. In der Regel existiert sie oder eben nicht. Ich habe es noch nie erlebt, dass sie sich über die Zeit entwickelt hat. Sie kann sich im Verlauf verstärken. Doch wenn der Funke am Anfang nicht vorhanden ist, wird aus meiner Erfahrung über die Zeit auch kein Feuer mehr. Wenn ich an meine Wunsch-Partnerschaft denke, dann ist es genau dieses Gefühl. Zu spüren das man von Herz zu Herz verbunden ist und weiß, dass es dem anderen genauso geht. In dem Moment gibt es nicht die Frage ob man dem anderen vertrauen kann oder nicht bzw. ob man mit ihm/ihr zusammensein kann oder will. Man weiß es einfach.

Viel zu oft habe ich versucht mir einen Mann zu suchen, dessen Eigenschaften mich angezogen haben und gehofft, dass sich dieses Gefühl der Verbundenheit über die Zeit entwickeln wird, wenn man sich besser kennt. Ich hoffte, dass sich mit jedem gemeinsamen Moment eine weitere Faser in das Band der gemeinsamen Verbindung einflechten würde. Ich dachte es bräuchte nur etwas Geduld und Kampfeswillen. Heute habe ich erkannt, dass dies eine falsche Herangehensweise ist. Wenn ich reflektiere, warum die Momente mit “Mr. wunderschöne Nacht im Mai” so besonders waren, dann deshalb weil wir vom ersten Moment an diese Verbindung hatten. Er nannte es „Liebe auf den ersten Blick“, für mich war es einfach das Gefühl ganz ich sein zu können. Wir redeten nicht nur, wir krempelten unser Innerstes nach außen und tauschten uns über Themen aus, die uns leidenschaftlich bewegen. Wir hatten diese Verbindung und das Vertrauen mit dem anderen ganz wir selbst sein zu können. Ich konnte stundenlang dasitzen und ihn einfach nur sprachlos anschauen. Ich war einfach so ergriffen von diesem Gefühl der tiefen Verbundenheit auf allen Ebenen. Und weil dieses Gefühl mit ihm so besonders und so intensiv war, war auch der Sex so wundervoll und berauschend. Es war der Rausch mit einem Herzensmenschen zusammensein. Nicht nur das kurze Orgasmus-High, nicht nur angenehme Momente, sondern tiefe Erfüllung, Verbundenheit nicht nur zu ihm, sondern zur ganzen Welt. Quasi viel mehr eine tiefe spirituelle Erfahrung als „bloßer” Sex.

Es ging bei uns nie primär um Sex. Wir genoßen jeden noch so kleinen Moment miteinander so sehr, tasteten uns vor, strahlten uns an, knutschen nächtelang wie Teenies, redeten stundenlang. Manchmal hat man Sex, weil einem nichts anderes einfällt, dass man sonst miteinander tun könnte und es irgendwie dazugehört. Dann überdecken Küsse das Schweigen und das Stöhnen legt sich wie ein Schleier über all das, was nicht passt. Es sind diese falschen Gründe, die mich dazu bewegten, mein Sexverhalten mit ein wenig Abstand zu betrachten und alles aufzuräumen, was dort nicht hingehört.

Es ist nicht leicht geduldig auf eine ähnliche Begegnung zu warten. Ich war immer so ungeduldig. In jedem neuen Mann erhoffte ich mir, dass es diesmal funktionieren wird. Allerdings wusste ich nie woran ich erkennen kann, dass es mit dem aktuellen Kandidaten passen wird. Daher ließ ich mich immer wieder aufs Neue ein und probierte aus. Seit dieser besonderen Nacht im Mai weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn diese besondere Verbindung da ist. Ich weiß jetzt, worauf ich warten darf – auch wenn es schwer ist diese Geduld aufzubringen. Doch zu wissen wonach ich Ausschau halten muss, macht es ein bisschen einfacher. Es hilft mir eine neue „Bewertungslogik“ für die Kennenlernphase aufzustellen und mich immer wieder darauf zu besinnen. Statt den starken Beschützer, den stattlichen Gentleman oder den tollkühnen Sportler anzuziehen, kann ich mich nun darauf besinnen einen Herzensmenschen kennenzulernen. Ein Mensch, der vielleicht auch all das hat, aber mit dem meine primäre Intention mit ihm zusammenzusein, die Verbindung von Herz zu Herz ist.

Ich hoffe möglichst viele von euch haben diesen Herzensmenschen bereits gefunden und können mit ihm den Rest des Wochenendes verbringen. Denen, die diese Partnerschaft wie ich noch suchen, empfehle ich sich in dieses Gefühl zu denken. Wie wird es sein, mit diesem Menschen zusammenzusein? Nehmt dieses Gefühl und gleicht es mit dem ab, das ihr erlebt, wenn ihr datet. Man merkt es in der Regel schon beim ersten Kennenlernen ob die „Wellenlänge“ passt. Statt zu rationalisieren und alles zu durchdenken, lasst euch einfach von eurem emotionalen Kompass leiten und vertraut mal wieder mehr darauf.

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3 Gedanken zu „Tag 50:
Herzensmenschen
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  1. Mal wieder ein toller blogpost liebe Lena! Besonders der Absatz zum “Sex aus den falschen gründen“ war inspirierend. Es ist ja oft so, dass Beziehungen nur unnötig lange aufrecht gehalten werden, weil der Sex gut ist. Aber zu einer guten Beziehung gehört so viel mehr. Und wenn alles andere, Kommunikation, gleiche Interessen und auch das Interesse aneinander in gewisser Weise fehlt, dann kann auch noch so guter Sex nicht allzulange als Lückenfüller herhalten. Für mich ist eine gute Beziehung 70 prozent eine beste Freundschaft und seelenverwandtschaft und zu 30 prozent das, was die partnerschaft von einer “normalen“ Freundschaft unterscheidet, also alles körperliche. Deshalb war für mich mich auch beim Kennenlernen dieses “Herzgefühl“ ganz essentiell, weil nur so eine realistische Chance besteht, den Seelenverwandten zu finden.

    1. Meine Liebe,

      vielen Dank für deine Sichtweise. Ich stimme dem so sehr zu. Ich glaube auch nicht, dass Sex in einer unharmonischen Beziehung noch so wahnsinnig gut ist. Zumindest war das bei mir so – waren die Gefühle verschwunden, war auch aus dem vorher so grandiosen Sex die Luft raus.

      BG
      Lena

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