Tag 353: Der Weg in die Befreiung

Ich bin gerade wieder so glücklich und könnte die ganze Welt umarmen. Nicht, weil immer alles einfach ist, aber weil jede Herausforderung, der ich begegne, weiter dazu beiträgt mich von altem Ballast zu befreien.

Viele Jahre habe ich mein Leben anhand von Angst-Vermeidungsstrategien aufgebaut. Sie haben mich bestimmt und gleichzeitig verhindert, dass ich die zugrundeliegenden ungeprüften Gedanken auflöse. Da ich nämlich vermieden habe, mit ihnen in Kontakt zu kommen, konnte ich sie auch nicht überprüfen und neu ordnen. Seitdem ich erkannt habe, dass weder das Leben noch die Liebe immer glücklich sein müssen, um gut und richtig zu sein, öffne ich mich der Welt auf eine ganz andere und wunderschöne Art und Weise. Ich lebe, ohne etwas Bestimmtes vom Leben zu erwarten. Dadurch offenbart das Leben mir gerade eine Fülle und Schönheit, die ich bis dato nicht kannte. Ich bewerte nicht mehr was gerade passiert und teile es in gut bzw. „so will ich das“ und schlecht bzw. „so will ich das nicht” ein. Ich nehme einfach alles an, was kommt und bin dankbar dafür, dass ich dadurch über mich lernen und daran wachsen kann. Ich gebe mich gerade komplett dem Leben hin und in dieser Hingabe finde ich absolutes Glück.

Ich habe erkannt, dass Dinge, die ich ablehne und denen ich mich widersetze, in der Regel mit einer gewissen Anspannung in mir verbunden sind. Es sind Situationen, in denen ich das Gefühl habe die Kontrolle zu verlieren, verletzbar und in meinem Glück bedroht zu sein. Doch das, was diese Anspannung auslöst, sind in der Regel nicht die Situationen selbst, sondern meine ungeprüften Gedanken über sie. Es ist das, was in meinem Kopf abläuft, was mich daran tatsächlich stresst. Die Personen und Situationen sind dabei oft austauschbar und zeigen mir lediglich, wo ich noch nicht gänzlich aufgeräumt bin.

Das Wunderschöne daran ist: Meine Gedanken kann ich selbst erkennen, reflektieren, und umstrukturieren, sodass sich die Situation ändert. Ich muss daher nichts von einer anderen Person oder vom Leben erwarten, was anders laufen sollte. Ich ändere lediglich meine Perspektive auf die Situation und erkenne, was mich das Leben gerade über mich selbst lehrt und alles ist gut.

Die Methode „The Work“ von Byron Katie und ihr Buch „Lieben was ist: Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können“ haben mich in diesem Prozess der Überprüfung der eigenen Gedanken, den ich schon über längere Zeit in anderer Form praktizierte, noch einmal eine Ebene tiefer in diesen Perspektivenwechsel geführt.

Byron Katie hat dabei eine wunderbar einfache Technik entwickelt, die in wenigen Schritten jeden Gedanken ganz einfach überprüfen lässt und offenbart, was diese Gedanken tiefer liegend über mich selbst aussagen. Ich möchte euch diese Schritte kurz erläutern und empfehle zur Vertiefung das o.g. Buch. Ihr findet auch auf der Website von ihr entsprechende Arbeitsblätter, die ihr als Arbeitsvorlagen ausdrucken und benutzen könnte. Wichtig ist, dass ihr den Prozess schriftlich macht und eure Gedanken und Überzeugungen aufschreibt. Dies hilft sich zu fokussieren und dich nicht von dir selbst manipulieren zu lassen.

Das Vorgehen ist Folgendes:

1. Inventur:

  • Mache dir bewusst was, dich gerade ärgert, verwirrt, traurig macht oder enttäuscht und warum.
    Dabei ist folgende Logik sinnvoll: „Ich bin (Gefühl) auf/wegen …, weil … . (Bsp.: Ich bin wütend auf meinen Mann, weil er mir nicht genug Nähe gibt)
  • Frage dich dann, wie du wollen würdest, dass sich die Person/Situation ändert und was du willst, was die entsprechende Person tut. (Ich will, dass … . , z.B. Ich will, dass er mir mehr Nähe und Aufmerksamkeit schenkt und mich öfter in den Arm nimmt.)
  • Welchen Rat würdest du dieser Person anbieten? (Person XYZ sollte/sollte nicht … ., z.B. Mein Mann soll sich seinen Gefühlen öffnen und mir diese zeigen.)
  • Was brauchst du, was diese Person sagt, denkt, fühlt oder tut? (Bsp. Ich brauche von meinem Mann, dass er sich mehr Zeit für gemeinsame Momente nimmt und weniger arbeitet.)
  • Was denkst du über die Situation oder Person? Erstelle eine kleinliche Liste mit Dingen, die dich an der Person stören. (z.B.: Mein Mann ist verschlossen, kühl, wenig kommunikativ und ihm ist die Arbeit wichtiger als ich.)
  • Was willst du bezüglich dieser Situation/Person nie wieder erleben? (z.B. Ich will mich nie wieder allein fühlen, wenn ich abends nach Hause komme und er wieder bis spät in die Nacht arbeitet.)

2. Stelle dir zu deinen Aussagen vier Fragen:

Gehe dabei jede Aussage von oben einzeln durch.

a) Ist das wahr?

b) Kannst du mit absoluter Sicherheit und ohne jeden Zweifel sicher sein, dass das wahr ist? (Es ist egal ob du dabei bleibst oder erkennst, dass es doch nicht zu 100% wahr ist und auch angezweifelt werden kann.)

c) Wie reagierst du auf diese Gedanken?

– Bringen Sie Stress in dein Leben?
– Welche Bilder der Vergangenheit oder Vorstellungen in der Zukunft kommen in dir auf? Welche Empfindungen tauchen in
dir auf, wenn du diese Gedanken glaubst?
– Welche Verhaltensweisen zeigst du als Antwort auf diese Gedanken?
– Wie behandelst du die Person in dieser Situation, wenn du den Gedanken glaubst? Wie behandelst du dich selbst?

d) Wer wärst du ohne den Gedanken?

3. Kehre die Gedanken um

Lerne jetzt, was dieser Gedanke, den du über eine andere Person hast, über dich selbst verrät.

Aus “Mein Mann soll sich seinen Gefühlen öffnen und mir diese zeigen.“ werden in der Umkehrung zum Beispiel folgende Sätze:

„Ich sollte mich meinen Gefühlen öffnen und mir diese zeigen.“

„Ich sollte mich meinen Gefühlen öffnen und ihm diese zeigen.“

„Ich sollte mich den Gefühlen meines Mannes öffnen und mir diese zeigen.“

„Mein Mann sollte sich deinen Gefühlen nicht öffnen und mir diese auch nicht zeigen.“

(Hier ist gemeint, dass du verstehst, dass du dir nicht anmaßen solltest wissen zu glauben, was für dich und andere das Beste wäre. Denn auch hier wieder: „Kannst du dir wirklich sicher sein, dass das stimmt? Wäre dein Leben wirklich glücklicher, wenn er dies tun würde? Kannst du dir wirklich sicher sein, dass du ein besseres Leben führen würdest, wenn er dies machen würde?“)

4. Die Umkehrung dessen, was du nie wieder erleben willst

Im letzten Schritt, öffnest du dich der Erfahrung, die du versuchst abzuwenden. Dies ist aus meiner Sicht der befreiendste Schritt von allen, wenn er auch nicht unbedingt für alle der einfachste ist.

Du nimmst dabei den Satz, den du zu folgender Frage im ersten Abschnitt aufgeschrieben hast: “Was willst du bezüglich dieser Situation/Person nie wieder erleben?“ und anstatt Angst und Abwehr dagegen aufzubauen, nimmst du die Realität an und freust dich darauf. Statt es abzuwehren, nimmst du die Erfahrung mit offenen Armen an. Mehr noch, du freust dich darauf und lässt diese Erfahrung bereitwillig Teil deines Lebens sein.

In unserem Beispiel war das: “Ich will mich nie wieder allein fühlen, wenn ich abends nach Hause komme und er wieder bis spät in die Nacht arbeitet.“

Daraus wird nun:

„Ich bin bereit dazu mich allein zu fühlen, wenn ich abends nach Hause komme und er wieder bis spät in die Nacht arbeitet.“

„Ich freue mich darauf mich wieder allein zu fühlen, wenn ich abends nach Hause komme und er wieder bis spät in die Nacht arbeitet.“

Wenn du nach dem Durcharbeiten aller Schritte noch Widerstand spürst, überlege, was es noch ist, dass dir in der Situation Stress und Unmut verursacht und gehe auch mit diesen Gedanken nochmal alle Schritte durch. Und immer, wenn du wieder Ärger bezüglich einer gewissen Situation oder Person verspürst, gehe diese Schritte wieder durch. Jedes Mal, wenn du spürst, dass gerade wieder emotionaler Staub aufgewirbelt wird, ist die richtige Zeit dich dieser Schritte zu besinnen und deine Emotionen und Gedanken zu überprüfen und aufzuräumen.

Mir hilft diese Arbeit sehr, das ganze Leben als Geschenk zu sehen. Solange es noch etwas gibt, das mich stresst, weiß ich, dass ich gerade die Chance habe etwas aufzudecken und mich von alten Gedanken- und Verhaltensblockaden zu befreien. Ich hoffe es hilft auch euch, die Fesseln eurer Gedanken abzulegen und dahinter zu kommen, was euch eigentlich gerade quält. Denn die Befreiung, nach der so viele von uns suchen, liegt in uns selbst und niemals im Außen.

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