Tag 260 #2:
Ich bin verwirrt!

Leute, ich bin verwirrt. Deshalb gibt es heute auch gleich noch einen zweiten Post und die Auflösung des vorherigen muss noch ein bisschen warten. Und ja, wenn ich gerade so viel Stoff zum Schreiben habe, dann geht es um einen Mann. Mittlerweile zeigt sich nämlich, dass ich doch noch nicht so ganz meinen Frieden mit dem Mann gemacht habe, den ich vorletzte Woche nach fast einem Jahr in Berlin wieder getroffen haben. Zumindest ist er nämlich – trotz allem – immer noch sehr präsent in meinem Kopf. Und wenn ich ehrlich bin, dann ist er das schon das ganze letzte Jahr, seitdem das Flirten zwischen uns begonnen hat. So präsent wie kein anderer.

Egal wie oft ich ihn in mein Leben eingeladen, ihn weggeschickt, mit ihm in Kontakt war, etc. etc. – irgendwie ändert sich nichts daran, dass er sich wieder und wieder und wieder in meinen Gedanken herumtreibt. Ich denke an ihn, über ihn, über mich und über uns nach. Und was all diese Gedanken gemeinsam haben, ist so ein Hauch von, wie sehr hätte ich mir gewünscht, dass da mehr gewesen wäre… Zumindest mehr Greifbares. Ich habe gerade das Gefühl, dass es egal ist ob ich links oder rechts lang laufe bzw. ja oder nein sage, ich komme immer wieder am gleichen Punkt an. An einem Punkt, an dem ich mir wünsche, dass er sich bei mir meldet und wir uns irgendwie besser kennenlernen können.

Ich muss sagen, dass ich mittlerweile wirklich herrlich über mich schmunzeln kann, was diese Geschichte angeht. Wie oft bin ich von einem Standpunkt zum nächsten gesprungen. Habe ihn heute angehimmelt und morgen verflucht. Aber was ich gemerkt habe war, dass meine Posts der letzten Tage auch immer einen kleinen Unterton hatten. Sie sagten leise: „Blödmann, wenn du mich nicht willst, dann will ich dich erst recht nicht. Und das sage bzw. zeige ich dir hiermit noch einmal mit Nachdruck.“. Und das ist keine gute “letzte Note”…

Natürlich würde ich ihm nie sagen, dass ich mir wünschen würde mit ihm Zeit zu verbringen. Dafür bin ich zu stolz. Ich weiß, dass das Bullshit ist. Aber ich vertrete da doch immer noch den Standpunkt, dass Mann hier auch einfach von selbst die Initiative ergreifen darf. Ok, zugegeben. Nachdem ich ihn schon X Mal in den Wind geschickt habe, kann ich mir eine solche spontane Initiative wohl nicht mehr wirklich erwarten. Aber irgendwie will etwas in mir mehr von ihm erfahren und ihn besser kennenlernen – nur irgendwie ohne dieses Etikett „Dating“, bei dem man sich gegenseitig beschnuppert und die Eigenschaften abwägt. Ich mag nämlich diese gegenseitige Prüfungssituation nicht. Ich hätte einfach gern mehr Zeit mit ihm einfach so, ohne viel Firlefanz und Aufwand. Oder kommt da doch wieder einfach nur Schönmalerei und ein bisschen “was wäre wenn” in mir durch, das dem Realitätscheck ja doch nicht Stand hält?

So, aber jetzt erst einmal von vorn. Damit auch Menschen, die nicht in meinem Gefühlschaos stecken, verstehen was gerade eigentlich in mir vorgeht.

Nach dem Schreiben eines Posts am heutigen Morgen, in dem es um diese spezielle Verbindung zwischen Menschen geht, die ich bei meinen Freunden so liebe, kam mir folgender Gedanke auf: „Aber es sind eben auch nur Freunde. An keinem von den männlichen Exemplaren aus dieser Kategorie „Du bist ein toller Mensch“ habe ich sexuelles Interesse. Ich verbringe total gern Zeit mit ihnen, aber rein platonisch und ohne jegliches Intention für mehr. Ein paar wenige Male habe ich versucht aus diesen Freundschaften Beziehungen zu machen. Geglückt sind diese nur nie. Ich habe es zwar zu Beginn genossen einen so guten Freund ganz oft und exklusiver als sonst um mich herum zu haben, aber irgendwann war es dann eben doch nur eine Freundschaft und es kam immer wieder ein anderer, den ich sexuell attraktiver fand.

Mein Kopfwirrwarr beruht nun auf folgenden Gedanken:

Wie weiß ich, ob ich einen Mann nur deshalb „negativ“ bewerte, damit er mir nicht zu nah kommt, weil ich ihn eigentlich sehr gern mag und er tatsächlich die Chance hat mir gefährlich zu werden. Inwieweit dreht also meine Bindungsangst die Wahrnehmung in meinem Kopf so, dass ich genug Gründe finde, mich nicht auf ihn einlassen zu müssen?

Wie weiß ich ob mein Weglaufen von den „lieben“ Jungs nicht nur ein Fallstrick meines Egos ist, dass wieder abhaut und sich eine neue Herausforderung sucht, damit es kämpfen kann, weil ihm die Harmoniesoße mit den „netten“ Männern zu langweilig wird?

Heute habe ich in einem Buch von Eckhart Tolle folgenden Satz aufgeschnappt, der mir mich sehr zum Nachdenken gebracht hat:

„Das Leben liefert einem immer die Erfahrung, die für die Evolution des Bewusstseins am Hilfreichsten ist.“

Ich bin schon lange der Überzeugung, dass meine Sicht auf die Welt eine rein subjektive Momentaufnahme ist und keinerlei Anspruch auf Wahrheit besitzt. Was ich heute denke, kann morgen schon wieder ganz anders aussehen. Und je nachdem wie ich mich Fühle und unter welchem Hormeineinfluss ich stehe, sehe ich eine ganz andere Welt. Wie oft habe ich schon Überzeugungen vertreten, die ich nach gewisser Zeit gar nicht mehr nachvollziehen konnte. Doch woher weiß ich, was stimmt?

Was wäre, wenn ich die die Gespräche und Treffen mit ihm nur deshalb als „suboptimal“ bewertet habe, weil ich diesen Mann wirklich mag und er tatsächlich das Potenzial haben könnte, dass ich mich bei weiterem Kennenlernen in ihn verlieben könnte?

Was wäre, wenn ich meine Angst vor echter Nähe mich immer wieder von den Männern wegträgt, die ich gern nah bei mir hätte?

Was wäre, wenn ich einfach nur angespannt bin und nicht sofort das Gefühl habe mich verbunden zu fühlen, weil in dieser ersten vorsichtigen Phase eines gegenseitigen Kennenlernens eine gewisse Aufregung einfach dazugehört und ich eben nicht so ganz entspannt bin, wenn mir mein Gegenüber ein wenig mehr bedeuten könnte als rein platonische Freundschaft? Was wäre, wenn die Gespräche deshalb etwas stockend waren, weil ich wie in einer Prüfungssituation einfach jedes Wort auf die Goldwaage gelegt habe und statt einfach vor mich hinzuquasseln, wie ich es bei meinen Freunden mache, einfach zu viel überlegt habe, was ich wie sage, damit mich der andere mag? Was wäre, wenn die Treffen eigentlich gar nicht so schlecht waren, ich sie nur schwarz gemalt habe, weil ich mich dabei so unwohl und unauthentisch gefühlt habe und ich deshalb dachte, dass er diese Version von mir so niemals mögen könnte. Und wenn sich dann eine Art Teufelskreis bzw. selbsterfüllende Prophezeihung und Wahrnehmeungsverschiebung entwickelt hätte.

Was wäre, wenn ich mich jetzt nur wieder zu ihm hingezogen fühlen und nicht loslassen kann, damit meine Gedanken wieder nur von einem Mann besetzt gehalten werden, mit dem es nicht funktionieren kann und der irgendwo weit weg ist, damit ich keine echte Nähe zulassen muss?

Oh man…ziemlich viele „Was wäre wenn’s“. Und eigentlich bin ich ja nicht so sehr für ein Leben im Konjuktiv. Wenn ich Fakten sammle, dann kommt dabei folgendes heraus:

  • Ich denke ziemlich oft an ihn und bekomme ihn nicht aus dem Kopf. Jedes Mal wenn ich versuche mich von ihm zu lösen, werden die kreisenden Gedanken an ihn eigentlich noch schlimmer. Egal wie viele „nette“ Männer es in meinem Leben gibt, ich denke trotzdem an ihn. (Aber ist es vielleicht nur mein Ego, dass das „Haben wollen“-Spiel spielt und nur die Bestätigung haben will, dass er mich vielleicht doch ein klitzekleines bisschen mehr mag?)
  • Wenn ich mir Bilder von ihm anschaue, dann haut mich sein Lachen echt um. Mehr noch – auch wenn er nicht der typische Schönling ist – finde ich ihn einfach wirklich wunderschön und unglaublich attraktiv. Eigentlich habe ich gerade keine Lust auf Männer, aber wenn ich an ihn denke, dann wird mir in der Tat ein bisschen anders. (Oder kann ich diese Gefühle ihm Gegenüber nur zulassen, weil ich weiß, dass er eh soweit weg ist, dass er mir nie zu nahe kommen wird und meine Angst vor Einengung dadurch nicht aktiviert wird?)
  • Ich freue mich immer wieder wie ein kleines Kind, wenn er mir schreibt. Und gleichzeitig enttäuscht es mich sehr, wenn ich das Gefühl habe, dass er mich nicht so beachtet, wie ich es mir wünschen würde. (Agiere hier ich oder mein Ego-Ich?)
  • Wenn er in meinem Leben präsent ist, dann kann ich kaum schlafen. Irgendwie bin ich dann ganz aufgedreht und freue mich über jede Nachricht von ihm. (Gesunde Euphorie oder Drang nach Aufmerksamkeit?)
  • Ich habe schon zig Mal darüber nachgedacht, welchen Knoten es bei uns noch zu lösen gibt und was hinter der Anziehungskraft stecken könnte, die er auf mich ausübt. Wieder und wieder und wieder. Und nein, mir fällt einfach nichts ein. Manchmal schiebe ich es auf bestimmte seiner Eigenschaften, aber auch das sind alles nur Vorwände, die ich heraus krame, damit ich ihn mir zumindest ein bisschen ausreden kann. Irgendwie mag ich ihn einfach so wie er ist. Und irgendwie auch nicht.
  • Er ist tatsächlich der erste Mann in meinem Alter, der es in meinen Kopf geschafft hat, nach all den älteren Herren, die ich vorher hatte. Und: Ich habe es wahnsinnig genossen mit ihm frei sein zu können.
  • Trotz allem habe ich noch nie einen gemeinsamen Moment mit ihm so richtig tiefgreifend genossen und hatte das Gefühl, dass er mein Herz berührt. (Ist das alles nur eine Geschichte, die sich viel mehr in meiner Fantasie abspielt, als in der Realität?)
  • Und: Von dem allen würde ich ihm natürlich niemals etwas sagen, weil ich das alles ganz furchtbar kindisch finde. Und ich will doch nicht kindisch sein. Und peinlich wäre mir das irgendwie auch. (Mäh, mir Gefühle einzugestehen fällt mir wirklich nicht leicht. Und nicht zu wissen, ob ich welche habe, macht es tatsächlich nicht leichter…)

Eine Sache habe ich durch ihn auf jeden Fall gelernt: Egal wie viel Blödsinn ein anderer Mensch anstellt, ob er in meinem Kopf ist oder nicht ist davon unabhängig. Manchmal gibt es Menschen, die einfach hängen bleiben und die ich trotz alle dem einfach wahnsinnig gern und vielleicht sogar von Blödsinn zu Blödsinn Mal um mal lieber habe. Es zeigt vor allem auch mir, dass es eigentlich egal ist, wie ich mich manchmal verhalte, solange es im „Rahmen“ bleibt. Ein bisschen kindisch hier, ein bisschen hysterisch dort und ein wenig unnahbar an anderer Stelle – wenn man an dem anderen einen Narren gefressen hat, dann ist das unabhängig von dem Verhalten des anderen. Diese bestimmte Art der Faszination bleibt einfach.

Oh man. Was ich mit meinem Gedankenchaos und meinen Überlegungen jetzt anfange, weiß ich leider auch noch nicht. Sonst versuche ich ja eher immer das Ganze hoch- und herunter zu meditieren und mit gekreuzten Beinen ganz ruhig und bei mir zu bleiben. Aber gerade ist mir irgendwie nicht nach Ohm. Ich käme mir ein bisschen albern vor ihm davon zu erzählen. Insbesondere deshalb, weil ich selbst gerade so überhaupt keine Ahnung habe, wie ich das Ganze interpretieren soll. Deshalb bleibe ich einfach mal im Moment, mache Dinge ein wenig anders, als ich sie sonst gemacht hätte und schaue was passiert. Schlimmstenfalls lache ich morgen darüber und lösche des Artikel wieder.

Die kleine Romantikerin in mir träumt vielleicht ein bisschen davon, dass er diesen Text liest und auf einem weißen Pferd mit wehenden Fahnen angeritten kommt, sich mir zu Füßen wirft und wir beide gemeinsam Richtung Sonnenuntergang reiten. Ich weiß natürlich, dass das alberner Disney-Blödsinn ist und meine das nicht so ganz ernst. Und doch: Wenn er es lesen soll, dann liest er es und zieht daraus vielleicht die richtigen Schlüsse. Und wenn nicht, dann habe ich mich wenigstens sehr offen und weich gezeigt, habe die Zugbrücke heruntergelassen, bin ein kleines bisschen aus meinem Schneckenhaus hinaus gekrochen und damit ein wenig ins Risiko gegangen. Auch eine Lektion, die ich lernen muss. Denn einem anderen Menschen gegenüber zu sagen, dass ich ihn sehr mag und ihn gern wiedersehen würde, fällt mir ehrlich gesagt eher schwer als leicht.

Was meint ihr? Habt ihr ein paar schlaue Gedanken zu meiner Situation? Ein wenig Rat und Tat an meiner Seite? Manchmal ist so eine neutrale Meinung von außen ja ganz hilfreich. Ich freue mich auf jeden Fall riesig über eure Kommentare. <3

P.S.: Ich glaube nicht mehr an “den Einen”, mit dem endlich alles gut wird. Deshalb kann ich auch heute so offen, locker und lustig über all das Schreiben. Ich nehme weder die Geschichte noch mich selbst zu ernst dabei. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ich solch ein Gedankenchaos durchmache und auch wenn es manchmal etwas länger brauchte, es hat sich über kurz oder lang immer gelöst. Dazu dann aber demnächst mehr….

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7 Gedanken zu „Tag 260 #2:
Ich bin verwirrt!
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  1. ….. ganz ehrlich…..!!!!! …. wen ich deinen heutigen post lese, lese ich zwischen den zeilen eine kleine liebeserklärung an denn jungen man…. 😊 ….. schwinge dein arsch zu ihm ( sorry für die ausdrucksweise 😉)……
    …WER NICHT WAGT, DER NICHT GEWINNT…
    entweder wird es eine lekion fürs leben ooooder das große glück….. lg

    1. Die eigene Komfortzone ist ja recht individuell. Für mich fühlt sich das schon sehr brenzlig/gefährlich an, weil meine Angst vor Ablehnung einfach doch noch größer ist, als ich es mir wünscht. Aber ich verstehe was du meinst. Vielleicht brauche ich einfach ein wenig Desensibilisierung bei solchen Sachen. 😉

  2. Wenn der Typ da in Dich verliebt ( genug ) wäre, würde er es Dich wissen lassen.

    Er triggert Dein Dopamin… es ist das alte Muster… ein emotional nicht verfügbarer Mann.., etwas Drama… und es kickt… Dein Liebrschip ist noch nicht ganz auf emotional verfügbare Männer mit gesundem Bindungsmuster gepolt… daher sind die unattraktiv.

    Du hast schon so viel an Dir hart gearbeitet… das Universum sendet in der Transformationsphase immer wieder mal ein paar Testkandidaten.

    Mir geht’s nicht anders als Dir.

    1. Liebe Maggie,

      danke dir für deine Nachricht! Ich weiß was du meinst. Ich habe allerdings auch noch ein paar andere Erklärungen dafür gefunden. Kannst ja mal im heutigen Post (Tag 262: “Liebe ist…”) schauen. Die Erkenntnis darin hat gerade ganz viel Licht ins Dunkel gebracht –zusätzlich zu den Kicks.

      Liebe Grüße, Lena

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