Tag 201:
The world needs more lovers…

Heute Morgen – noch im Bett und langsam in den Tag startend – hat mich ein wunderschöner Text von Wanda Badwal inspiriert:

“L.O.V.E. Is the only answer there is to any question we have. Love to ourselves, Love to one another, Love to animals, to nature, Love to our friends, family and especially Love to our so called enemies. Love is not an idea or a concept, love is who we truly are, love is our nature, love is our humanness, love is a practice and love is the absence of judgement. Love is radical acceptance of who we are and who the other is choosing to be. Love is a choice and it’s the process of uncovering our hearts, peeling all the layers away that so long have convered our essence, it’s a process of purification, it’s the awakening of our hearts to more compassion, gratitude and truth to one another and towards this beautiful life experience we have been given. I am deeply grateful for being able to work in this field of light – warriors guiding each other back to the light of love. The world doesn’t need more successful people, the world desperately needs more healers, storytellers, restorers, lightworkers and lovers of all kind – like the Dalai Lama once said, people who still believe in the good, who believe in a life in love and peace on this planet, I believe it’s still possible, it’s never too late and everyone matters, you and me, together we can create the world we want to live in.“

Ich fühle mich mit diesen Worten so verbunden, weil es genau der Sicht auf die Welt entspricht, die ich in den letzten Monaten – über all meine Selbstreflexionen – erlangt habe.

In meiner Vergangenheit dachte ich immer, es würde im Leben vor allem darum gehen erfolgreich zu sein. Ich dachte lange, dass ich erfolgreich sein muss, um geliebt werden zu können. Ich habe Erfolg als meine Lebensaufgabe verstanden und war deshalb stets im „höher, weiter und schneller“-Modus. Es war das, was ich in all seiner Intensität spüren konnte – im Guten wie im Schlechten. Fluch und Segen zugleich. Es ist das, was uns schließlich seit Kindertagen in vielerlei Hinsicht beigebracht wird: Wenn du erfolgreich bist, darfst du damit auf der Bühne der Anerkennung stehen und bekommst Bestätigung für das, was du tust. Du bekommst Auszeichnungen und Preise, die du dir als Abzeichen deiner Mühen und deines Einsatzes an die Brust oder zumindest an die Wand pinnen kannst. Und je mehr du für das was du tust, gelobpreist wirst, desto schwerer fällt es dein Tun und dein Sein losgelöst voneinander zu betrachten.

Früher fand ich Männer attraktiv, die in schicken Anzügen dabei waren, die ganz große Nummer zu werden oder schon dabei waren es zu sein. Männer, deren Ziel es einfach nur war, glücklich zu sein, genügten mir nicht. Ich lehnte sie in dem Grad ab, wie ich mich ablehnte, wenn ich einfach nur Dinge tat, die mir ohne weiteren Nutzen Spaß machten. Weil mir die „unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ so schwer vorkam, konnte ich auch nicht mit anderen sein, die ihr Leben leicht nahmen – der emotionale Stretch dafür war damals einfach zu groß. Heute ist meine Sicht darauf eine ganz andere: Anzüge schrecken mich eher ab, als dass sie mich anziehen, weil sie Teil einer Welt der Fassade sind. Ich fühle mich viel mehr zu dem Mann mit Shorts hingezogen, der das tut, was er liebt und ihn erfüllt. Menschen, die in sich ruhen und Dinge tun können, ohne zu müssen. Menschen, die emotional frei sind. Menschen, die das Glück in sich und nicht im Außen suchen. Es ist die Einfachheit und Echtheit, die mich nach Jahren des Fokus auf die materiellen Dingen anziehen. Es ist das, was bleibt, wenn man dir alles nimmt, außer dein Selbst.

Für die Reise zu sich selbst gibt es keine Auszeichnungen und roten Teppiche. Es gibt nur das eigene Gefühl, das sich ändert und mit ihm die Welt, in der man lebt. Es ist eine schönere und echtere Welt. Auch eine glücklichere und friedvollere. Eine ausgelassenere, eine tiefgreifend befriedigte. Doch dieses Gefühl hat außer ein mildes Lächeln und die Ruhe und Präsenz, die man ausstrahlt, kein Korrelat in der Außenwelt. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Anti-Welt zu dem, das in der westlichen Welt jeden Tag auf uns einströmt. Es ist die innere Welt, die sich anders anfühlt und das muss genügen.

Nach fast 3 Jahrzehnten, in denen Erfolg meine Droge war, musste ich mich erst einmal daran gewöhnen, dass die Erfahrungen auf dem Weg zu mir selbst eine ganz andere Qualität haben. Sie sind intensiver und sanfter zugleich, gehen tief und hinterlassen gleichzeitig ein Prickeln auf meiner Haut. Sie durchdringen mich und machen mich ganz. Es ist anders, schöner und besser – jedoch auf eine ganz andere Weise als die Steigerung materieller Habe.

Wenn man mich heute fragt, wonach ich mich wirklich sehne, dann ist es nicht mehr der Mann, das Haus und die Kinder. Diese Vorstellung habe ich nur noch, wenn ich nach einem schlechten oder anstrengenden Tag nach Hause komme und mir wünsche in den Arm genommen zu werden und Geborgenheit zu spüren. An den Tagen wenn meine eigene Stärke und Energie so geschwächt ist, dass ich das Gefühl habe, es mir selbst nicht geben zu können. Wenn mein Leben gerade nicht so läuft, wie ich es mir wünschen würde, und ich mich nach ein wenig Halt und einem Anker, auf der Fahrt durch unruhiger Gewässer sehne. Es ist nicht, dass es nicht eintreten darf, aber es nicht mehr mein wichtigster Fokus, dem ich alles andere unterordne.

Wenn man mich heute fragt, was ich wirklich will, dann ist es Folgendes: Mein inneres Streben und Ziel ist es, Liebe und Verbundenheit in jedem Moment meines Lebens präsent zu halten. In allem was ich tue will ich lieben. Ich will alles was mir begegnet, mit Liebe wahrnehmen und liebevoll damit umgehen. Ich wünsche mir, dass alle egoistischen Gedanken von mir abfallen und ich nur noch Liebe bin. Genau das ist das eigentliche Ziel meiner Reise: Nicht Liebe zu finden, sondern in jedem Moment Liebe zu sein.

Das heißt nicht immer nur “lieb und nett” zu sein. Zu lieben heißt genauso auch unbequem zu sein und Nein zu sagen, wenn es heißt dadurch die eigenen Werte zu verteidigen. Liebst du deine Kinder, dann erziehst du sie, anstatt alles zu machen, damit sie dich lieben und nicht zurückweisen. Wahre Liebe hat Ecken und Kanten, weil sie bedeutet nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst dazusein und zwischen selbst und anderen bzw. außen und innen die richtige Balance zu finden.

Früher habe ich Männer oft als Schlüssel dafür benutzt, das Gefühl der Liebe und Verbundenheit in meinem Leben präsent zu halten. Doch das machte mich abhängig von diesen Schlüsseln. Um frei zu sein, musste ich zuerst selbst zum Schlüssel werden, um dann alle Mauern, die zwischen mir und der Liebe stehen, Stück für Stück abbauen zu können. Es geht mir heute darum, meine Kapazität zu lieben, trotz aller Widrigkeiten Stück für Stück zu erweitern und alle Fasern meines Seins, mit Liebe zu erfüllen und in jede Facette der Außenwelt auszustrahlen bzw. sie in all die Bereiche auszudehnen, die mir aktuell noch schwieriger und dunkler vorkommen.

Was die Welt braucht, sind Menschen, die die Güte Ihres Lebens nicht im Erfolg, sondern in der Liebe sehen, die sie in die Welt tragen. Menschen, die Wohlwollen, Licht und Heilung in diese Welt tragen, anstatt sich durch die Sucht nach mehr jeden Tag weiter selbst in den Arsch zu treten. Wir brauchen mehr Menschen, die ihr „Mehr“ in sich selbst suchen und finden, statt im Außen diese wunderschöne Welt damit zu unterjochen und zu zerstören. Wir brauchen mehr Liebe und wir brauchen mehr Liebende.

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