Tag 20:
You’re nobody ’till somebody loves you?

Kenn ihr den Song „Your nobody ’till somebody loves you“ von James Arthur (ein recht alter Song, der schon von vielen anderen Sängern gecovert wurde, ich mag die Unplugged-Version von James Arthur)? Ich liebe ihn und er bringt auf den Punkt wie ich mich manchmal fühle.

Ich habe in meinem noch so jungen Leben schon so viel erreicht: Studium, tolle Abschlüsse, die ersten Jahre im Job. Ich habe Preise eingesammelt, Auszeichnungen bekommen und war zu wundervollen Veranstaltungen mit bedeutenden Menschen eingeladen. Ich habe wundervolle Freunde, ein Zuhause, in dem ich mich wohlfühle, und bin mit mir echt glücklich. Menschen nennen mich “Sonnenschein” und ich stecke voller positiver Energie. Schlechte Laune habe ich selten. Und doch schwingt unterschwellig der Glaubenssatz mit, dass mein Leben erst erfüllt sein kann, wenn ich einen anderen Menschen an meiner Seite habe, der mich liebt und dem ich Liebe schenken kann. Ich habe das Gefühl versagt zu haben, wenn ich das nicht schaffe und ich spüre ein wenig Neid in mir, wenn ich andere Paare sehe, die langjährige Beziehungen führen oder bereits die Ringe ausgetauscht haben. Ich habe dann das Gefühl nicht genug zu sein. Vielleicht nicht genug, dass einer mich will. Ich hatte euch davon bereits an anderer Stelle berichtet.

Allerdings glaube ich, dass genau andersherum ein Schuh daraus wird. Nicht: Ich bin nicht genug, sondern ich habe zu viel. Ich habe zu viel zu tun, bin zu viel unterwegs, habe als Frau zu viele Pläne und zu hohe Ziele. Ich bin nicht bedürftig und komme allein mit mir klar. In meinem Leben gibt es eigentlich gar keinen Platz für einen Mann. Ich habe es mir auch so gebaut. Dennoch denke ich manchmal einen zu brauchen, um so richtig glücklich zu werden.

Ich bin überzeugt mit viel Anstrengung, Mut und Einsatz fast alles erreichen zu können. Alles bis auf eine Sache: die Liebe. Sie wird mir geschenkt. Und genau deshalb fühle ich mich in diesem Bereich oft so hilflos. Kündige ich meinen Job, finde ich sicher bald einen neuen. Aber wenn ich mich von einem Menschen trenne, weiß ich nicht, wann ein anderer in mein Leben kommt, mit dem ich so glücklich sein werde, wie ich es mir erhoffe. Ich habe dann oft die Angst, dass womöglich nichts Besseres nachkommen könnte, als das, was ich mit dieser Person hatte. Deshalb ist auch meine Angst vor dem Verlust so groß. Lustigerweise, denke ich das bei fast jeder Trennung. „Ich werde nie mehr so guten Sex haben.“ oder „So einen faszinierenden Menschen treffe ich sicher nicht noch einmal“ sind die Gedanken, die mir dann durch den Kopf geistern. Und doch habe ich immer wieder einen Menschen getroffen, mit dem es noch schöner war und meine Befürchtung hat sich immer schnell von selbst in Luft aufgelöst.

Klar kann man versuchen Dating Apps dafür zu nutzen schnell andere Menschen kennenzulernen und es soll wirklich Menschen geben, die dort ihren Partner fürs Leben finden. Erfolgsgarantie jedoch sieht anders aus. Das Einzige, was ich wirklich tun kann, ist an mir zu arbeiten und daran, dass ich ein umgänglicher Mensch bin, meine Blockaden lösn und an mir arbeite. Aber selbst ob dann der richtige Mensch in mein Leben kommt, mit dem es passt, steht in den Sternen. Selbst wenn ich jeden Tag zwei Dates habe, ist dies keine Gewissheit, dass der Richtige dabei ist. Am Ende entscheidet es das Schicksal, der Zufall, Gott oder woran auch immer ihr glaubt.

Am Beispiel meiner Mutter habe ich gesehen, wie lange es dauern kann. Sie hat nach langer Durststrecke und unglücklichen Beziehungen den Topf für ihren Deckel mit 50 gefunden. Die Tatsache, dass es bei ihr so lange gedauert hat, macht mir Angst, denn verdammt – ich bin erst 29 und ich will keine 21 Jahre mehr warten müssen. Das Schlimme ist auch nicht die Zeit des Alleinseins. Das schwer Erträgliche für mich ist das unbestimmte Warten. Wenn mir die Glaskugel sagen würde in X Jahren an einem Sonntag im August triffst du deinen Traummann und ihr werdet glücklich bis ans Ende eurer Tage, wäre das für mich ganz gut aushaltbar. Ich hätte Gewissheit und einen Anker in der Zukunft, in dessen Richtung ich schauen kann. Selbst wenn es noch 10 Jahre wären, es wäre ok. Mit solch einer Vorhersage könnte ich gut leben und in der Zeit mein Leben in vollen Zügen genießen, anstatt es bis dahin noch mit mindestens einem Duzent anderer zu versuchen. Es ist das Suchen und das Versuchen was mich mürbe macht. Die Hoffnung beim Kennenlernen, dass es diesmal etwas wird und die herbe Enttäuschung, wenn es dann doch wieder gegen die Wand fährt. Genau darauf habe ich aktuell keine Lust mehr. Keine Versuche mehr und keine Enttäuschungen. Noch einmal mehr und mein Herz zerspringt.

Es sind die glücklichen Familien, die jetzt in der Weihnachtszeit noch mehr als sonst, von den Plakatwänden und aus den Weihnachtsanzeigen lächeln und mir das Gefühl geben, dass in meinem Leben etwas fehlt. Es ist das nach Hause fahren an Weihnachten und die Fragen, wann ich denn mal wieder einen Freund mitbringen würde. All das legt den Finger in die Wunde und gibt mir das Gefühl, dass ich – trotz allem was ich erreicht habe – nur ein Mensch zweiter Klasse bin. Ein Mensch, der das, was alle anderen als Erfüllung betrachten, noch nicht in seinem Leben hat. Ich fühle mich, als hätte ich in diesem einen Bereich versagt. Der Stempel auf meiner Stirn, der sagt: „Durchgefallen.“ Und gleichzeitig denke ich, dass ich die Beziehung der Fragenden auf keinen Fall führen möchte. Es gibt wenige Beziehungen, die ich wirklich beneidenswert finde und die ich mir wünschen würde zu führen. 98% der Menschen in Beziehungen beneide ich nicht um ihr Lebensmodell.

Eigentlich bin ich glücklich – eigentlich. Bis sie mich wieder anlächeln – diese Familien auf den Plakaten und ich wieder darüber nachdenke, was ich eigentlich will.

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3 Gedanken zu „Tag 20:
You’re nobody ’till somebody loves you?
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  1. Liebe Lena,
    Ich habe deinen Blog pünktlich zum neuen Jahr entdeckt und finde ihn bisher sehr spannend. Vor allem deshalb, weil du viele Sachen und Situationen beschreibst, die ich selber durchlebt habe bzw. aktuell durchlebe.
    Ich bin mir nicht sicher, ob es die bessere Lösung ist, zu wissen, dass der Eine in 10 Jahren an deine Tür klopft. Trotz des Herzschmerzes und Dramas sind es doch viele dieser neuen Begegnungen, die unser Leben so spannend und unvorhersehbar machen.
    Danke für die Denkanstöße! Ich freue mich auf weitere in diesem Jahr!

    1. Da hast du so recht! Ich habe mir immer gesagt: Wie langweilig wäre mein Leben geworden, wenn ich das Drehbuch dafür selbst geschrieben hätte! All die verrückten Geschichten und unglaublichen Wendungen hätten gefehlt. Und dennoch fände ich es schön, ein bisschen in die Zukunft schauen zu können, um mir ein paar Blessuren zu ersparen, die aufgrund überschwänglicher Euphorie entstanden sind. Obwohl mit weniger Leidensdruck wohl auch weniger Veränderungsbereitschaft bei mir entstanden wäre. Alles hat sein für und wieder. 😉

      Danke für deine Sichtweise!
      Lena

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