Tag 142:
Today is the day…

Heute vor einem Jahr hat sich mein Leben verändert. Ich habe gelernt was Liebe ist. Ich wurde erinnert, was “Liebe machen” in seinem Kern bedeutet. Ich wurde auf eine Art berührt, die so besonders war, dass sie fast wehtut. Heute vor einem Jahr, küsste mich “Mr. wunderschöne Nacht im Mai” zum ersten Mal, wir waren uns zum ersten Mal nah, schliefen zum ersten Mal miteinander. Es fühlt sich alles so weit weg und doch so nah an.

Ich traf ihn in einer Situation, in der ich weg wollte von Christian. In der ich ob dem ständigen hin und her und on und off mehr als genervt war und in der ich mir bewusst wurde, dass ich mir mehr Commitment wünschte, als er bereit war mir zu geben. Ich sehnte mich so sehr nach jemandem, der mich von Christian wegtrug, weil ich selbst nicht das Gefühl hatte mich stark genug abstoßen zu können, damit ich nicht doch wieder in seine Arm fiel. Ich wollte jemanden, der mich wegziehen und festhalten würde. Und so führte mich das Schicksal in die arme eines anderen Mannes… Ein geschickt eingefädelter Plan.

Die Intensität unserer Verbindung war seit der ersten Sekunde auf allen Ebenen magisch. Unsere Rezeptoren dockten in allen Bereichen an – geistig, seelisch, physisch. Uns verband eine magnetische Anziehungskraft im Innen wie im Außen. Es war seine wunderschöne Seele und sein faszinierendes Wertegerüst, die so hell leuchteten und mich sofort in seinen Bann zogen. Seine Nahbarkeit brachte meine Unnahbarkeit zum Schmelzen. Er hielt mich und verhielt sich auf eine Weise, dass ich meine Schutzmauern nicht mehr brauchte. Er lehrte mich den Unterschied zwischen ficken und “Liebe machen“. Er eröffnete mir eine neue Welt, in der es einmal drin, kein zurück mehr gab.

Wir liebten uns die ganze Nacht mit Haut und Haar. So intensiv, dass jede andere Form von Sex für mich danach nur noch wie abgestandenes Wasser schmeckte. Er war der Auslöser, warum ich mich endlich von Christian distanzieren konnte, weil ich realisierte, was ich mit ihm so schmerzlich vermisste. Ich hatte nach den Nächten mit ihm keine Lust mehr auf bedeutungsloses raus und rein. Ich wusste wie anders es sein kann, wenn man sich auf diese tiefere und bedeutsamere Art und Weise verbindet. Und so begann ich mich und meine Sexualität neu zu finden. Ich setzte meinen Kompass neu. Ich wusste jetzt wie es sich anfühlt und wonach ich Ausschau halten wollte. Und ich ließ mich nicht mehr davon abbringen etwas derartiges für mich zu finden.

Ja, man kann mir vorwerfen – uns vorwerfen – dass wir falsch gehandelt hätten. Dass es naiv und dumm war, mich auf einen verheirateten Mann einzulassen. Aber nein, mit einem Jahr Abstand bin ich dankbar für alles was war. Ich bin dankbar dafür, wie hoch ich geworfen wurde und ich bin genauso dankbar dafür, mit welcher Wucht ich danach wieder auf den Boden aufschlug. Danach gab es keinen Weg mehr zurück in mein altes Leben und bedeutungslosen Sex. Es hat mich wachgerüttelt aus einer Welt der Illusionen, der falschen Glaubenssätze und ich ließ all das zurück. Das Leben, das ich mir aufgebaut hatte, um zu überleben. Die Männer, die ich mir suchte, um mich nicht wahrhaft einlassen zu müssen. Die romantische Vorstellung einer Liebe, die keine ist. Wenn all das nicht gewesen wäre, wäre ich heute nicht der Mensch, der ich bin und der Mensch, der ich im Begriff bin zu werden. Und ich bin dankbar dafür, das wir auch heute noch miteinander verbunden sind – ohne Ziehen und Zerren, ohne Erwartungen und stattdessen ruhig und trotzdem gewaltig. Jedes neue Gespräch mit ihm zeigt mir, dass Intensität nichts mit Schmerz zu tun hat und dass auch Harmonie wahnsinnig intensiv und sogar noch intensiver sein kann, als alles andere. Dass ich mir nicht die komplizierten Männer suchen muss, um mich nicht zu langweilen, sondern dass es da noch etwas anderes gibt. Er lehrt mich aufzuhören zu kämpfen. Er zeigt mir, dass ich so sein darf wie ich bin und ich so wie ich bin gut und richtig bin. Mit ihm erlebe ich, dass es zwischen zwei Menschen einfach sein kann, dass Männer nahbar und kommunikativ sein können. Er programmiert mich auf eine sehr positive Weise um.

Ich verstehe heute, warum es damals auseinandergehen musste. Ich war auf emotionaler Ebene noch nicht bereit für eine solch tiefgreifende Verbindung. Ich suchte in ihm meinen Retter, mit dem alles gut werden würde. Den Mann, der mich endlich von Christian wegtragen möge und in gewisser Weise den Papa, der mich festhält und auf mich aufpasst. Ich stellte ihn auf ein Podest und deklarierte ihn zu „meinem“ besonderen Mann. Ich wollte ihn besitzen, für mich haben und ich erwartete viel, zu viel, viel zu viel. Nicht aus der Essenz wahrer Liebe heraus. Meine Antrieb war die Angst vor erneuter Verletzung. Ich ließ es zu, dass mein Fokus einzig und allein auf ihm lag. Und so schnitt ich mich von der universellen Liebe ab.

Ich verfiel in die Muster, die mich in der Vergangenheit immer wieder verzweifeln ließen. Ich suchte Liebe im Außen und wenn ich sie gefunden hatte, wurde ich von ihr abhängig. Indem ich seine Liebe empfing, vergaß ich meine eigenen Quellen der Liebe für mich selbst und für andere weiterhin anzuzapfen und zu nähren. Und so wurde ich mit jedem Tag bedürftiger ob seiner Aufmerksamkeit. Die Notbremse war die einzig richtige Option. Ich hätte mich sonst selbst verloren.

Heute habe ich verstanden, dass wahre Liebe nichts fordert und dass es auch nicht den „Einen“ gibt, der endlich in mein Leben kommt und alles gut macht. Liebe ist dem anderen zu wünschen, dass es ihm gut geht und dass er die Rahmenbedingungen dafür hat sich frei und glücklich zu entfalten. Sich zu lieben bedeutet nicht, dass man zusammensein kann. Liebe und Zusammensein sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Es gibt viele Menschen, die ich Liebe und es gibt wenige, mit denen ich wirklich dauerhaft zusammenleben kann. Ich habe verstanden, dass Liebe eine unendliche Ressource ist und das Einzige, das mehr wird, wenn man es teilt. Je mehr ich liebe, desto mehr Liebe ist in meinem Leben präsent. Das Reservoir der Liebe fülle ich selbst. Jede liebevolle Interaktion füllt meine Liebestanks. Das Gefühl der Liebe ist die Reflexion des eigenen Tuns und der eigenen Liebesfähigkeit. Nicht die Bestätigung eines anderen Menschen.

Ich habe verstanden, dass die „besondere“ Beziehung der Tod der wahren Liebe ist. Liebe, die nur auf eine Person ausgerichtt ist, ist keine Liebe. Sie ist eine Droge, die sich zur Sucht entwickelt. Wahre Liebe ist nicht in den kleinen Kicks der Aufmerksamkeit zu finden. Wahre Liebe ist das Annehmen des anderen mit seinen ganz individuellen Themen und Eigenschaften. Liebe ist Akzeptanz und daher Erlösung.

Indem ich immer und immer wieder nach „dem Einen“ suchte, überfrachtete ich diese Verbindung und beschnitt ihre Triebe. Wahre Liebe fordert nicht. Wahre Liebe ist Hingabe. Sich selbst und die eigenen Vorstellungen von dem, wie es sich entwickeln wird aufzugeben und das anzunehmen was passiert, ohne die Kontrolle darüber gewinnen zu wollen. Liebe ist Loslassen in jedem neuen Moment und darauf zu vertrauen, dass alles gut ist, wie es ist und wird. Wahre Liebe ist unendliches Vertrauen.

Erst wenn wir aufhören Angst zu haben, dass Liebe uns verletzten kann und uns deshalb davor scheuen Liebe zu empfinden, werden wir in der Lage sein, das zu finden, nachdem wir uns innerlich alle sehnen. Es ist nicht die Liebe, die uns wehtut. Es ist die Angst davor, die uns verletzt.

Indem wir lieben, ohne Gegenliebe einzufordern, öffnen wir uns für ihrer einzigartige Kraft alles zu verändern. Je stärker und öfter wir es schaffen unser Herz zu öffnen, desto intensiver wird sich die Liebe in unserem Leben manifestieren. Vielleicht bekommen wir die Liebe nicht von der Person zurück, der wir sie schenken. Aber allein schon indem wir Liebe empfinden, ist unsere Welt eine schönere und bessere.

Ich kann heute sagen, dass ich verliebter bin als jemals zuvor. In das Leben, die Welt, in mich und in jeden Menschen, um mich herum. Ich bin dankbar für jede Reibungsfläche und sogar für die Menschen, die sich von mir abwenden! Warum? Weil sie mir helfen zu lernen mein Herz auch dann zu öffnen, wenn es nicht auf Gegenliebe stößt. Sie lehren mich bedingungslose Liebe zu leben und nicht nur theoretisch darüber zu philosophieren. Denn erst wenn wir Menschen auch dann lieben, wenn sie sich nicht so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten; wenn wir sie so lieben, wie sie sind, statt wie wir wollen wie sie sind, sind wir wahrhaft fähig zu lieben.

Diese Erkenntnis ist es, die mich für all die Rückschläge der Vergangenheit dankbar sein lässt. Jede Beziehung, die ich vor diesem Erwachen geführt hätte, wäre auf einem Verständnis von Liebe aufgebaut gewesen, das nicht auf dem wahrer Liebe beruht. Und ich hätte in keinem Zusammensein das gefunden, was ich mir wirklich wünsche.

Manchmal führt uns das Schicksal über Umwege zum Ziel. Wir wünschen uns etwas und anstatt, dass es sofort so kommt, laufen wir erst einmal gegen eine Wand, die uns dazu bringt, dass wir nicht nur etwas anders machen, sonder uns wahrlich in uns verändern. Indem wir vertrauen, dass alles was uns passiert über kurz oder lang den Weg für das ebnet, was wir uns innerlich wünschen, öffnen wir uns Wundern. Wundern, die wirklich passieren.

P.S.: Happy anniversary! Ich danke dir für alles! Du bist wundervoll und unglaublich. Und ich bin dankbar für jedes Wort, jeden Blick und jede Berührung, die wir miteinander geteilt haben und teilen werden. Jedes Ende ist ein neuer Anfang und jeder Anfang ist ein neues Ende. Und zwischen beiden ist nur Raum für Dankbarkeit, Akzeptanz und Vertrauen.

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