Tag 141:
Mit offenem Herzen

Ich könnte gerade mal wieder die Welt umarmen und mich am laufenden Band für all das bedanken, was mir an Erkenntnissen und Begegnungen immer wieder auf’s Neue geschenkt wird. Ich bin glücklich, nicht weil immer alles gut ist. Sondern weil ich über mein altes und verwundetes Selbst hinauswachse und ein bisher unbekanntes Gefühl absoluter Freiheit fühle. Und auch wenn diese Entwicklung manchmal hart erkämpft ist und es Momente gibt, in denen mich meine Emotionen überkommen: Es lohnt sich so sehr! Das Leben wird zur Magie und entfaltet seinen Zauber, wenn wir uns darauf einlassen anstatt immer zu kämpfen, Mauern zu bauen und im Vermeidungsmodus zu agieren. Und vor allem wenn wir bei uns bleiben, anstatt immer darüber nachzudenken, was die anderen vielleicht darüber denken und uns auf Basis dessen bewerten könnten.

In der letzten Woche habe ich eines meiner Kernprobleme mit Männern und Beziehungen besser verstanden. Dazu ein kleiner Ausschnitt aus dem Buch „Rückkehr zur Liebe“ von Marianne Williamson:

„Wir können nicht zu wahrem Bewusstsein kommen, wenn wir nicht unseren Eltern vergeben. Ob es uns gefällt oder nicht, unsere Mutter ist unser Urbild von einer erwachsenen Frau, und unser Vater ist unser Urbild von einem erwachsenen Mann. Wenn wir gegen unsere Mutter Ressentiments hegen, werden wir als Mann der Schuldprojektion auf eine andere erwachsene Frau, die in unser Leben tritt, nicht entfliehen; als Frau werden wir der Selbstverdammung, wenn wir zur Frau heranwachsen, nicht entkommen. Wenn wir Ressentiments gegen unseren Vater hegen, werden wir als Frau der Schuldprojektion auf einen anderen erwachsenen Mann, der in unser Leben tritt, nicht entfliehen; als Mann werden wir der Selbstverdammung, wenn wir zum Mann heranwachsen, nicht entkommen.”

Genau mit diesen Ressentiments kämpfte ich mein ganzes bisheriges Leben in Stellvertreterkriegen. Männern gegenüber ging ich mit einem verschlossenen Herzen durch die Welt. Ich war von dem ersten Mann in meinem Leben – meinem Vater/Erzeuger – so tief enttäuscht, dass ich diese Ablehnung auf alle Männer ausbreitete und das Verhältnis mit meinem Vater unbewusst immer wieder neu in meinen Beziehungen nachstellte. All das, um diesen Knoten endlich aufzulösen und zu akzeptieren, dass dieser Part in meinem Leben fehlt. Ein ohne Frage wichtiger Teil, aber ein Teil ohne den ich in der Lage bin zu leben.

Gleichzeitig zeigte ich eine enorme Abwehrhaltung gegenüber bedürftigen Frauen. Frauen wie meine Mutter. Ich versuchte alles, damit ich bloß nicht so schwach werden würde wie sie. Ich lehnte meine eigene Bedürftigkeit ab und wurde stark und selbstständig. Ich verdammte die weiche und weibliche Seite in mir, die mir so viel Leid in mein Leben trug. Und in all der Abwehr, verlernte ich einen gesunden Umgang mit meiner Weiblichkeit und meinen (berechtigten) Bedürfnissen.

Eine lange Zeit dachte ich, dass mein Leben erst dann richtig anfangen kann, wenn ich das überwunden habe, womit meine Mutter ein Leben lang kämpfte – einen Mann zu finden, der mein Leben mit mir teilen will. Mein Leben ohne ihn wirkte auf mich wie ein Schwarz-Weiß-Film. Aber es war nicht meine Trauer und Einsamkeit. Es war die meiner Mutter, die ich unbewusst fortführte.

Aufgrund der emotionalen Blockade meinem Vater gegenüber, misstraute ich jedem Mann. Er war seit Tag 1 mein Rollenvorbild für männliches Verhalten und dieses war auf Ablehnung und Desinteresse mir gegenüber angelegt. Egal was ich tat, diese Gefühle ihm gegenüber kamen in jeder Beziehung mit einem Mann in mir wieder und wieder auf. Sie waren es, die mich ein ums andere Mal scheitern und verzweifeln ließen. Sie wollten angenommen und gelöst werden. Denn erst wenn ich es schaffe die Sehnsucht nach meinem Vater loszulassen, werde ich den Mann finden können, der mir ein echter Partner sein kann.

Als Folge meiner Vaterproblematik überfrachtete ich meine Hoffnungen in Männer und Beziehungen ungemein. Jedes Kennenlernen und all die gemeinsame Zeit wurden von meinen mehr oder weniger bewussten Ansprüche und Glaubenssätzen geprägt. Erwartungen, die gleichzeitig so hoch und so unrealistisch waren, dass sie niemand erfüllen konnte. Ich suchte jemanden, der mein Herz heilen und meine Wunden lecken würde und möglichst nicht auf die blauen Flecken und Blessuren drückt, die meine Selle angesammelt hatte. Ich suchte einen Partner für meine Komfortzone und langweilte mich gleichzeitig, wenn ich aus dieser nicht herauswuchs.

Außerdem hatte ich so große Angst vor möglichem Schmerz und Zurückweisung durch Männer, dass ich immer wieder Situationen anzog, die mir dies in regelmäßiger Wiederholung vorführten. Nicht, weil es die Realität war, sondern damit ich mich endlich mit diesem Thema auseinandersetze und die Zurückweisung durch meinen Vater sowie mein verschlossenes Herz ihm gegenüber ausheilen konnte.

All das führte zu einem Leid, das so groß war, dass ich keine andere Chance hatte als darüber hinauszuwachsen. Den Status Quo aufrechtzuerhalten war einfach keine Option. Ich entschied mich etwas anders zu machen und auf diesem Weg werden mir immer wieder neue Antworten zugeflüstert. Antworten auf Fragen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte. Ich begriff, dass ich wahre Liebe nicht darin finden würde, dass mich ein anderer Mensch in vollkommener Weise liebte. Wahre Liebe liegt in mir und erst wenn ich sie für mich sowie andere Menschen empfinden und dauerhaft aufrecht erhalten kann, dann finde ich das wonach ich mich sehne.

Bei wahrer Liebe geht es darum sein eigenes Herz zu öffnen – bedingungslos und nicht erst dann, wenn der andere bereit ist seines zu öffnen. Es geht darum bei sich zu bleiben und das zu tun, was sich für einen selbst richtig anfühlt. Ich begriff, dass ich nicht stärker und unabhängiger werden muss, sondern dass ich meine Angst, meine Sorgen und meine gefühlte Einsamkeit in Liebe transformieren muss, um das Geschenk vollumfassender Liebe nicht nur zu empfangen , sondern auch selbst zu leben und zu geben.

Dank dieser Tatsache fühle ich mich befreit. Es geht nicht darum, ob ich 1 Monat, 1 Jahr oder nie wieder Sex habe. Es geht darum, dass ich lerne mein Herz zu öffnen und bei mir zu bleiben. Es bedeutet zu erkennen, dass Liebe omnipräsent ist und ich auch dann nicht auf Liebe verzichten muss, wenn sich kein Lebenspartner an meine Seite gesellen sollte. Der Zugang zu wahrer Liebe liegt nicht im Außen. Er liegt in mir. Diese Erkenntnis bringt Heilung. Sie nimmt mir den Schmerz und die Angst vor dem Alleinsein. Sie schenkt mir Hoffnung. Sie öffnet mich für das Leben mit all seinen Herausforderungen.

Liebe ist Erlösung. Und nein, ich habe keinen Kirchenglaube, aber zum ersten Mal habe ich verstanden was die Bibel lehrt. Sie lehrt Liebe. Und wenn du dieses Thema genauer durchdringen willst, kann ich dir das Buch „Rückkehr zur Liebe“ von Marianne Williamson wärmstens ans Herz legen. Das Buch ist Weisheit, Heilung, Liebe. Für mich ist es ein kostbarer Schatz. Ich hoffe auch für dich!

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