Tag 127:
Sex ohne Liebe ist wie Suppe ohne Salz

Wow! Ich danke euch vielmals für eure so zahlreichen Rückmeldungen auf meinen gestrigen Post! Es ist einfach wunderschön  diesen Zuspruch und diese Unterstützung von euch zu spüren! Besonders freue ich mich über die Männer, die sich zu dem Thema äußern und mir zeigen, dass es auch in dieser Fraktion Menschen gibt, denen “Liebe machen” wichtiger ist als ficken. Und genau solch ein Exemplar möchte ich finden bzw. mich von ihm finden lassen.

Über eure zahlreichen Reflexionen konnte ich gestern noch eine andere Sichtweise auf das Thema bekommen. Und diese ist Folgende:

Ich kann ohne Gefühle und „wie ein Mann“ ficken – es macht mir nur keinen Spaß. Dies Art von Sex entspricht genau den Momenten, auf die ich keine Lust mehr hatte. Denn das, was meine Sicht auf Sex nachhaltig verändert hat, war das Erlebnis mit “Mr. wunderschöne Nacht im Mai”. Wir haben nicht gefickt. Wir haben Liebe gemacht. Es war innig und liebevoll und gleichzeitig wild und intensiv. Es war die absolute Hingabe und aufgefangen zu werden im gleichen Moment. Es war genau das, was stumpfes Geficke von besonderem Sex unterscheidet. Es war magisch!

Dank dieser Erinnerung an die Gründe, für meinen Schritt in die Abstinenz zu starten, blicke ich heute anders auf meinen gestrigen Beitrag. Ist die Art und Weise Sex von Liebe zu trennen nicht viel eher die weniger intensive Version von Sex? Wird es nicht erst dann zu diesem ganz besonderen Erlebnis, wenn man alles zulassen und spüren kann ohne die Handbremse angezogen zu lassen? Manchmal denke ich, dass ich intensiveren Sex haben und mich noch mehr ausprobieren könnte, wenn ich die Emotionalität und meinen Verstand ausschalten könnte. Aber das ist falsch! Sich auf der rein körperlichen Ebene zu begegnen und die emotionale Ebene außen vorzulassen ist doch irgendwie nur halb so schön. Es ist die rein körperliche Befriedigung, die eine Schüssel füllt ohne das Loch am Boden dieser Schüssel zu reparieren. Es ist eine gewisse Befriedigung, die allerdings nicht zur Erfüllung führt, sondern einen zu einem kontinuierlichen Konsum führt. Ein Konsum, der fast schon zwanghaft fortgeführt werden muss, um die Leere, auf die man auf diese Weise entgegensteuert nicht spüren zu müssen.

Nein! Ich will nicht ficken wie ein Mann! Ich will Liebe machen mit all den emotionalen Komponenten, die für mich das Ganze erst zu diesem wundervoll berauschenden Erlebnis machen. Ich will Orgasmen nicht nur auf körperlicher Ebene spüren, sondern auch emotional davon berührt werden. Wenn ich mich wieder auf emotionslosen Sex einlassen würde, wäre das ein riesiger Schritt zurück. Ich würde nämlich genau wieder dorthin gelangen, wo ich mit meinem OYNG-Experiment angefangen hatte – bei Sex, der mir nichts bedeutet.

Es ist schön das zu realisieren. Es macht die Abstinenz nicht leichter. Aber es lässt mich meine Lust besser regulieren. Ich stehe dazu, dass ich nicht emotionslos bin und nehme mich genau so an. Ich bin nicht defizient. Ich bin gut so, genau wie ich bin und mit allen meinen Emotionen. Denn egal wen ich frage: Sex mit Liebe ist für alle schöner als ohne.

Es ist mit Sicherheit das “gefährlichere“ Vorgehen sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Man gibt mehr, liefert sich stärker aus und geht somit ins Risiko verletzt zu werden. Aber wenn wir es nicht darauf ankommen lassen, werden wir niemals das finden, was wir auf emotionaler UND körperlicher Ebene suchen. Man investiert mehr, aber je mehr man investiert, desto größer ist die Chance dafür reich belohnt zu werden (CAVE! Das hat nichts mit Co-Abhängigkeit zu tun).

Je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass ich auf keinen einzigen dieser emotionalen Aspekte verzichten möchte. Ich will spüren – mich sowie den anderen. Ich will mein Sexleben in 3D statt in Schwarzweiß. Ich liebe diese emotionalen Orgasmen, bei denen mir gleichzeitig Freudentränen über die Wangen laufen und ich über das ganze Gesicht lache während sich mein ganzer Körper in einem Ausnahmezustand befindet. Nur damit ich diese Art von Sex leben und genießen kann, muss ich aufpassen mit wem und auf welche Weise ich mich in die Horizontale begebe.

In dem Kontext habe ich heute einen Artikel gelesen:

“The Truth Behind Why Women Find It Harder To Have Casual Sex Than Men Do”

Ob Frau oder Mann. Schaut ihn euch unbedingt an. Es ist so wahr!

Nur weil wir heute mit (fast) jedem/jeder Sex haben können, heißt das nicht, dass wir das auch müssen. Insbesondere wir Frauen, die eine intensive emotionale Reaktion auf Sex haben (sowie natürlich auch alle Männer, denen es so geht), müssen vorher gut überlegen ob Sex mit diesem oder jenem Menschen gut für uns ist. Genauso wie wir uns im Hochsommer nicht den ganzen Tag ohne Sonnenschutz in die Sonne legen können ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, müssen wir auch auf sexueller Ebene vorher überlegen ob dieses oder jenes Setting gut für uns ist. Und auch wenn alle anderen viel mehr und viel verrückteren Sex haben als wir selbst – Sex ist kein Wettbewerb. Wir müssen schauen, dass es uns damit gut tut, auch wenn wir dann vielleicht als verklemmt oder spießig tituliert werden. All das ist egal, wenn es dir mit dir selbst gut geht.

Grenzen zu setzten und sich nicht auf alles einzulassen, erfordert Charakterstärke und Reife. Es erfordert die Fähigkeit Nein zu sagen. Vor allem auch dann, wenn der Körper einem andere Signale sendet als der Verstand. Es bedeutet sein wahres Selbst als Vermittler zwischen diesen beiden Welten einzusetzen und sich nicht von der Intensität der Lust und der körperlichen Empfindungen treiben zu lassen. Und wer auf Basis dieser Stärke in der Lage ist, seine emotionalen und körperlichen Interessen in Einklang zu bringen, ist der Magie der Liebe schon einen Schritt näher gekommen.

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